Die Aktion »Mobil zum Spiel«

Interview mit Dietmar Hopp

Portrait Dietmar Hopp

„Konjunkturpaket für Jugendarbeit und Ehrenamt“

Im Juni 2010 werden es 52 Mannschaftsbusse sein, die mit dem blauen Aktionslogo »Mobil zum Spiel« durch die Metropolregion Rhein-Neckar fahren – und darüber hinaus. So „sichtbar“ war die Dietmar Hopp Stiftung noch nie.

Erstmals hat die Dietmar Hopp Stiftung ein eigenes Förderprogramm entwickelt, das auch deutlich nach außen getragen wird. Warum?

Dietmar Hopp:
»Die Jugendarbeit im Sport ist mir ein ganz besonderes Anliegen. Deshalb engagiere ich mich ja beispielsweise auch für den Verein ‹‹Anpfiff ins Leben››, wo Kindern und Jugendlichen über den Fußball das Rüstzeug für ein gutes Leben mitgegeben wird, von der Gesundheit und Fitness über die Bildung bis hin zu sozialer Kompetenz. Ich habe selbst in meiner Jugend erfahren, dass Sport einen Menschen positiv prägt. Man lernt Teamfähigkeit und Fairness, den Umgang mit Erfolgen ebenso wie mit Niederlagen. Inzwischen hat die medizinische Forschung sogar herausgefunden, dass Sport schlauer machen kann. Dass Sport grundsätzlich eine gesunde Sache ist, wissen die meisten. Anders als Kinder haben es Erwachsene aber selbst in der Hand. Ich muss nicht gefördert werden, um morgens 30 Minuten auf’s Laufband zu gehen. Manchmal habe ich dazu überhaupt keine Lust, aber ich mache es, weil ich weiß, dass es richtig ist. Kinder wissen das noch nicht. Deshalb ist Sport in diesem Alter so wichtig: Die Umsetzung können aber weder die Eltern noch die Sportvereine noch der Förderverein ‹‹Anpfiff ins Leben›› noch meine Stiftung alleine stemmen. Da müssen wir alle gemeinsam anpacken und vor allem diejenigen unterstützen, die sich ehrenamtlich im Jugendsport engagieren. Dafür steht ‹‹Mobil zum Spiel››.«

Wie kam es zu der Idee, 52 Mannschaftsbusse für Vereine zu stiften?

Dietmar Hopp:
»Jeden Monat bekommen wir unter anderem von Sportvereinen aus der Metropolregion Rhein-Neckar viele Briefe mit der Bitte um Unterstützung. Ich habe die Hoffnung, mit ‹‹Mobil zum Spiel›› zwei Dinge zu erreichen: Mit den Mannschaftsbussen wollen wir einerseits den Vereinen im Alltag des Spielbetriebs ein wenig unter die Arme greifen, einfach deren Mobilität unterstützen. Die Kinder müssen ja irgendwie zu den Auswärtsspielen hinkommen. Mit privaten Pkw geht das zwar, aber mit den Mannschaftsbussen wird es leichter sein. Andererseits ist jedes ‹‹Mobil zum Spiel››, das durch die Metropolregion Rhein-Neckar fährt, auch eine Statement. Es zeigt, dass es bei uns in der Region viele Menschen gibt, die sich ehrenamtlich im Jugendsport engagieren. Es soll eine rollende Werbung dafür sein, dass noch viel mehr Menschen gemeinsam mit anpacken und den Jugendsport unterstützen.«

…während Sie wiederum auch noch der notleidenden Automobil-Industrie unter die Arme greifen!

Dietmar Hopp: (lacht)
»Wir haben von der Abwrackprämie gehört und spontan gesagt, da müssen wir zugreifen! – Nein, im Ernst: die ‹‹Mobil zum Spiel››-Idee haben wir zu einer Zeit entwickelt, als man noch nicht von der Automobilkrise sprach. Ich möchte unsere Aktion als ein ‹‹Konjunkturpaket für die Jugendarbeit und das Ehrenamt in der Metropolregion Rhein-Neckar›› verstanden wissen.«

Sie fördern ausschließlich in der Metropolregion Rhein-Neckar – mit „Mobil zum Spiel“ sogar ganz bewusst gleichmäßig verteilt, von Regionengrenze zu Regionengrenze sozusagen. Sind Sie so ein großer Lokalpatriot?

Dietmar Hopp:
»Ich bin hier geboren, ich mag die Gegend, ich mag die Menschen. Hier ist meine Heimat. Die Pfalz, die südliche Weinstraße, die hessische Bergstraße, der Odenwald und der Kraichgau: Das ist ja auch eine tolle Gegend, auf die wir stolz sein können und um die uns zu Recht viele beneiden. Dazu kommt, dass die Metropolregion Rhein-Neckar genau die richtige Größe hat. Hier wirkt meine Unterstützung sinnvoll,verpufft nicht einfach.«

Warum richtet sich „Mobil zum Spiel“ ausschließlich an Vereine mit Jugendfußball-Mannschaft?

Dietmar Hopp:
»Fußball ist die Sportart, die in unserer Gesellschaft die breiteste Basis hat. Fast jeder hat ‹‹seinen›› Verein, die meisten können sich mit diesem Mannschaftssport identifizieren. Denken Sie nur an die Euphorie, die die Weltmeisterschaft 2006 in unserem Land ausgelöst hat.Beim Fußball finden wir hierzulande den größen gemeinsamen Nenner. Deshalb fördert meine Stiftung Mannschaftssport und den Fußball besonders. – In der Metropolregion Rhein-Neckar unterstütze ich sechs Jugendfußball-Förderstützpunkte. Das ist sicherlich nicht gerade wenig, aber bei weitem nicht genug, wenn man sich anschaut, wie viele Jungsund Mädchen Fußball spielen wollen. Deshalb gehen wir mit ‹‹Mobil zum Spiel›› so sehr in die Breite. Jeder Mannschaftsbus, der mit dem Logo durch die Metropolregion Rhein-Neckar fährt, ist im wahrsten Wortsinn ein Vehikel für die Philosophie, die hinter der ehrenamtlichen Jugendarbeit im Fußball steckt.«

Sie haben ja als Jugendlicher selbst Fußball gespielt. Wie sind Sie eigentlich zu den Auswärtsspielen gekommen?

Dietmar Hopp:
»Wir sind mit dem Fahrrad gefahren. Und wenn die Spiele ein bisschen weiter weg waren, dann wurden auch schonmal Busse angemietet. Da saßen dann auch die Anhänger unserer Mannschaft mit drin und es war eine große Gaudi. Konzentration auf’s bevorstehende Spiel war da natürlich nicht möglich. Es war in meiner Jugend schlicht undenkbar, so etwas tolles wie einen eigenen Mannschaftsbus zu haben, genau so wenig wie einen schönen Rasenplatz. Wir sind halt auf Spielfeldern rumgerannt, die mehr einem Acker ähnelten. Da konnte man sich schonmal einen Knöchel brechen…«

Ihre Stiftung hat viel dazu beigetragen, dass der Sport in der Metropolregion in besseren, moderneren Einrichtungen stattfinden kann. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass man sich in der Metropolregion Rhein-Neckar daran gewöhnt?

Dietmar Hopp:
»Nein, dieses Gefühl habe ich nicht. Ich habe viel Glück in meinem Leben gehabt, habe es sogar zu Reichtum gebracht. Für mich ist das eine soziale Verpflichtung. Die Menschen jedoch begreifen meine Unterstützung trotzdem nicht nicht als Selbstverständlichkeit. Es gibt genug Gelegenheiten, wo ich mit vielen Leuten zusammen komme. Die größte war zuletzt bei der Einweihung der Rhein-Neckar-Arena mit über 20.000 Zuschauern. Da habe ich wirklich echte Dankbarkeit verspürt, das freut mich sehr und hat mich auch berührt.“ [Anmerkung der Redaktion: Aus der Fankurve wurde Hopps Ansprache mit „Dietmar, wir danken Dir“-Gesängen unterbrochen.] „Kinder zu erleben, die vor ihrem neuen ‹‹Mobil zum Spiel›› stehen und dann sagen: ‹‹Wie toll, dass wir jetzt so ein schönes Auto haben!››, das wäre für mich das Schönste.«

Hintergrundinfo Dietmar Hopp:

Dietmar Hopp wurde 1940 in Heidelberg geboren. Er ist Diplom-Ingenieur und studierte Nachrichtentechnik (Informatik) an der Universität Karlsruhe.

Seine Karriere begann 1966 als Systemberater bei IBM in Mannheim. Gemeinsam mit vier ehemaligen IBM Kollegen gründete Hopp 1972 die Firma »Systemanalyse und Programmentwicklung«, die heutige SAP AG.

Mehr Information finden Sie auf der offiziellen Website der Dietmar Hopp Stiftung

Hintergrundinfo Dietmar Hopp Stiftung:

Die Dietmar Hopp Stiftung wurde 1995 gegründet, um die Umsetzung gemeinnütziger Projekte in den Bereichen Sport, Bildung, Soziales und Medizin zu ermöglichen. Ihr Vermögen besteht aus SAP-Aktien, die Dietmar Hopp aus seinem privaten Besitz eingebracht hat. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung fast 200 Millionen Euro ausgeschüttet (Stand: Dezember 2008). Sie zählt damit zu den größten Stiftungen Europas.

Der Schwerpunkt des Förderprogramms liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar, mit der sich Dietmar Hopp besonders verbunden fühlt. Die Stiftung ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen und in der Sportregion Rhein-Neckar e. V. Anträge aus den jeweiligen Bereichen nimmt die Geschäftsstelle in St. Leon-Rot.